veröffentlicht am: Mittwoch 16 Februar 2011
Christliche Minderheiten verwundbar während die Revolution sich ausbreitet
Land: Mittlerer Osten und Nordafrika, Ägypten, Tunesien
Der Umsturz des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak hat in der ganzen Welt die Wellen hoch schlagen lassen, und die Idee, einen Aufstand zu machen, breitet sich über Afrika und den Nahen Osten aus. Aber während westliche Medien über die Demokratiebewegung hoch erfreut sind, macht sich der Barnabas Fund Gedanken um die Zukunft der christlichen Minderheiten in dieser unruhigen Region.
Mubarak: „Von all den Schlechten der Beste?"
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Es wird damit gerechnet, dass die Wahlen in Ägypten frühestens in sechs Monaten abgehalten werden und bis dahin wird das Land durch einen Militärrat regiert. Diese Woche gab die größte ägyptische Oppositionsgruppe, die Moslembruderschaft, bekannt, dass sie eine politische Partei gründen wolle sobald die Beschränkungen für ihre Aktivitäten aufgehoben sind. Es gibt Befürchtungen, dass sie ihren Einfluss nutzen wird, um dem Land eine strengere islamische Prägung zu geben.
Obwohl die ägyptische Revolution ihrem Wesen nach keine islamische Revolution war, zeigt eine Studie des in den USA ansässigen Pew Research Centers, die einen Monat vor Beginn der Demonstrationen durchgeführt wurde, dass die Agenda der Moslembruderschaft mit Unterstützung rechnen kann. 95% der ägyptischen Muslime gab an: „Es ist gut, dass der Islam eine wichtige Rolle in der Politik spielt". Beunruhigend für Konvertiten aus dem Islam gaben 84% der Befragten an, dass vom Islam Abtrünnige mit dem Tode bestraft werden sollten. Andererseits gaben 61% an, dass ihnen der islamische Extremismus in Ägypten „sehr große Sorge" oder „Sorge" bereite.
Vergangenen Dienstag wurde ein islamistischer Richter zum Vorsitzenden der Kommission berufen, die die neue Verfassung Ägyptens ausarbeiten soll. Dass der Militärrat Tarek al-Bishry berief, der mit Al-Wasat, einer Nebenorganisation der Moslembruderschaft, in Verbindung gebracht wird, hat Menschen, die sich vor einer Machtübernahme durch diese islamistische Gruppe fürchten, verärgert. Christen wünschen sich, dass Artikel 2 der Verfassung, in dem festgeschrieben ist, dass die Scharia die Hauptquelle für das Gesetz ist und sie somit zu Bürgern Zweiter Klasse macht, gestrichen wird. Dies scheint nun unwahrscheinlich.
Unter Mubarak erduldeten ägyptische Christen Jahre des Leidens, einschließlich Gewalt von Islamlistenhand und schwere Diskriminierungen im öffentlichen Leben. Aber viele Christen rechnen damit, dass sein Sturz die Situation für sie noch verschlechtern wird - wie viel schlechter, das hängt von dem Ausmaß des Einflusses der Islamisten ab. Sameh Joseph, der bei einer Kirche in Alexandria angestellt ist, meinte: „Unter all den Schlechten ist er (Mubarak) der Beste. Wer auch immer nach ihm kommt, könnte uns vernichten wollen."
Tunesiens Ayatollah Khomeini?
Der auslösende Funke für den Aufstand in Ägypten und ähnliche Demonstrationen in mehrheitlich islamischen Ländern war die Revolution in Tunesien. Darin sind sich viele Beobachter einig.
Obwohl wirtschaftliche, politische und soziale Anliegen und weniger religiöse, die Tunesier, ebenso wie die Ägypter, zu den Demonstrationen veranlassten, tritt im Vorfeld der Wahlen in diesem Land ebenfalls eine islamistische Gruppe als mächtige politische Kraft in Erscheinung.
Der exilierte Führer der wichtigsten islamistischen Gruppierung Tunesiens, Ennahda, Rachid Ghannouchi, kehrte Anfang dieses Monats in sein Land zurück und hat damit Befürchtungen hervorgerufen, er könnte versuchen, den Volksaufstand in eine islamische Revolution nach dem Vorbild Ayatollah Khomeinis nach dessen Rückkehr in den Iran 1979 zu verwandeln.
Die Revolution, die letzten Monat zum Sturz des Präsident Zine al-Abdine Ben Ali führte, geht mit einem zunehmenden islamischen Eifer bei vielen Tunesiern einher. Der christliche Glaube ist in Tunesien schon sehr eingeschränkt, sowohl was die Anzahl der Christen betrifft als auch die Beschränkungen, denen sie unterliegen, insbesondere die Konvertiten. Würde der Fall eintreten, dass Islamisten mehr Einfluss in der Regierung bekämen, wäre die Zukunft der Kirche in diesem nordafrikanischen Land, das zu 99% muslimisch ist, sehr gefährdet.
Jedoch zählt Tunesien zurzeit zu den säkularsten islamischen Staaten und es gibt viel Widerstand gegen die Einführung der Scharia und andere islamistische Bestrebungen. Weil die Revolution nicht von Islamisten herbeigeführt wurde, könnten jegliche Versuche, Tunesien zu islamisieren, vergeblich sein.
Auch an anderen Orten in der islamischen Welt ist es zu Demonstrationen gekommen. Diese Woche kamen Iran und Bahrain zu der immer länger werdenden Liste von unruhigen Staaten hinzu, auf der schon Algerien, Jordanien und Jemen stehen. Die Christen in der ganzen Region warten in einer Mischung aus Hoffnung und Ängstlichkeit ab, was aus den jetzigen Unruhen entstehen wird.

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