veröffentlicht am: Dienstag 22 Februar 2011
Ägyptische Christen demonstrieren für säkularen Staat
Land: Mittlerer Osten und Nordafrika, Ägypten
„Die Armee liebäugelt mit den Islamisten; das geht auf unsere Kosten" Christlicher Demonstrant
Vergangenen Sonntag demonstrierten ägyptische Christen für einen säkularen Staat. Inzwischen weisen weitere Vorkommnisse von Unrecht und Gewalt gegen die christliche Bevölkerung auf die Gefahr eines zunehmenden islamistischen Einflusses hin.
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Die Demonstration vor dem Gebäude der staatlichen Fernsehanstalt in Kairo, an der um die 2000 Menschen teilnahmen, war eine Reaktion auf die Gründung einer Kommission zur Erarbeitung einer neuen Verfassung für Ägypten. Ein islamistisch eingestellter Richter ist zum Vorsitzenden dieser Kommission ernannt worden.
Die christlichen Demonstranten forderten die Abschaffung des Artikels 2 der ägyptischen Verfassung, da darin der Islam zur Staatsreligion erklärt und die Scharia als Hauptquelle des Gesetzes festgeschrieben wird. Eine ägyptische christliche Menschenrechtsgruppe beklagte letzte Woche, dass Christen in der verfassunggebenden Kommission nicht ausreichend repräsentiert sind.
Ein Demonstrant sagte: „Wir waren bereit, unser Leben für Ägypten zu opfern. Unser Ziel war ein Rechtsstaat, und nicht ein religiöser Staat. Ich bin hier, weil ich für Gleichheit bin; die Verfassung muss geändert werden, und Artikel 2 muss gestrichen werden."
Die Bedeutung dieses Sachverhaltes wurde diese Woche durch zwei voneinander unabhängige Vorfälle deutlich. Diese Vorfälle zeigen, wie stark der islamistische Einfluss in Ägypten tatsächlich
„Schariagerechtigkeit"
In dem Prozess um die tödlichen Schüsse, die aus einem vorbeifahrenden Auto vor einer ägyptischen Kirche auf sechs Christen und einen muslimischen Polizisten und Wachmann abgefeuert worden waren, wurden die beiden Mittäter am Montag frei gesprochen. Mohammed Ahmed Hassanein dagegen war am 6. Januar 2010 für seine Mittäterschaft in dem Fall Nag Hamadi zum Tode verurteilt worden.
Nach Ansicht eines hochgestellten ägyptischen Kirchenleiters in Nag Hamadi wird auf alle Christen in Ägypten das Schariagesetz angewandt. Er erklärte: „Das Gericht verhängte eine Todesstrafe, weil ein Muslim getötet wurde; die Strafe für die sechs erschossenen Christen fiel nicht so hoch aus, weil ihr Blut nach ägyptischem Recht einen niedrigeren Stellenwert hat, und sie von der Gesellschaft nicht wert geachtet werden."
Teenager entführt
Das oben genannte Urteil ist verkündet worden, nachdem am Samstag ein 18-jähriges christliches Mädchen aus ihrem Elternhaus durch Muslime entführt wurde. Es handelt sich bei diesem Fall um einen längeren Streit um den Bau einer Kirche. Die Entführer brachen in das Haus des Bauunternehmers, der die Kirche St. Maria und St. Michael in Talbiya baute, ein und hinterließen auf den Wänden Sätze wie „Die Kirche muss abgerissen werden."
Die Kirche war im November 2010 der Schauplatz von gewalttätigen Ausschreitungen gewesen, als staatliche Sicherheitsbeamte Tränengas und scharfe Munition gegen die Gemeinde einsetzten. Diese hatte gegen die Behörden demonstriert, die die Bauarbeiten gestoppt hatten, obwohl die Kirche im Besitz einer Baugenehmigung war. Dieser Vorfall zeigt, wie schwierig es für ägyptische Christen ist, Kirchen zu bauen: selbst wenn eine Bewilligung durch den Präsidenten vorliegt - und diese werden ohnehin sehr selten erteilt - können Sicherheitsbeamte das Gebäude unter irgendwelchen Vorwänden beschlagnahmen.
In Ägypten werden Christen wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Die obigen Beispiele verdeutlichen, wie sie ausgegrenzt werden. Es wird befürchtet, dass sie im Ägypten nach Mubarak sogar noch schlechter gestellt sein könnten, sollte das Land sich, womöglich unter dem Einfluss der Moslembruderschaft, in Richtung eines islamischen statt eines säkularen Staates bewegen.

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