veröffentlicht am: Freitag 11 Februar 2011
Indonesische Kirchen von demonstrierenden Muslimen zerstört
Land: Indonesien, Süd-und Ostasien
Bei Ausschreitungen in Indonesien attackierten militante Islamisten drei Kirchen nachdem sie die Todesstrafe für einen Christen gefordert hatten, der wegen Lästerung des Islams verurteilt worden war.
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Etwa 1500 Extremisten demonstrierten in Temanggung, Zentraljava, nachdem Antonius Richmond Bawengan (58) für schuldig befunden worden war, Bücher und gedruckte Informationsmaterialien, die angeblich „Hass auf den Islam verbreiteten" verteilt zu haben. Er wurde zur Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Polizeiberichten betrachtete die Menge diese Strafe als zu milde und forderte die Todesstrafe. Nachdem das Urteil am 8. Februar am Ende des Prozesses verkündet worden war stürmten Demonstranten das Gerichtsgebäude und bewarfen es mit Steinen.
Die Ausschreitungen griffen dann auf umliegende Wohngebiete über, wo zwei Kirchen angezündet und eine dritte durch Steinwürfe beschädigt wurde. Vor dem Gerichtsgebäude schrie der Mob: „Tötet! Tötet!". Als sie sich auf den Weg zu den Kirchen machte, schrie die Menge „Legt Feuer!"
Ein Geistlicher, der miterlebte, wie seine Kirche angezündet wurde, wurde von dem Mob verprügelt. Augenzeugen berichten, dass mindestens neun Personen mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten. Außerdem bewarfen die Demonstranten die Bereitschaftspolizei mit Steinen und anderen Geschossen, beschädigten vorsätzlich ein Schulgebäude und setzten einen LKW der Polizei, drei Autos und sechs Motorräder in Brand.
Ironischerweise ereigneten sich diese Gewaltausbrüche zu Beginn einer „Woche des Dialogs zwischen den Religionen", in der das Land sein pluralistisches Erbe feiern möchte. Zwei Tage zuvor waren drei Mitglieder einer islamischen Sekte von einem islamischen Mob gelyncht worden, mit der Begründung, die drei seien Ketzer.
Das Blasphemie Gesetz Indonesiens war letztes Jahr erst vom Verfassungsgericht bestätigt worden: dieses Gesetz beschneide nicht die Religionsfreiheit und es sei überlebenswichtig für die Harmonie zwischen den Religionen in einem säkularen Staat. Kritiker jedoch sind der Ansicht, dass das Gesetz hauptsächlich dazu eingesetzt wird, den Islam zu verteidigen, und dass es außerdem Anhänger anderer Religionen als der sechs staatlich anerkannten - Islam, Evangelisches und Katholisches Christentum, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus - diskriminiert.
„Blasphemie Gesetze" bringen Christen in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung oft in schwerwiegende Probleme. In Pakistan ist für das Vergehen „der Beschmutzung des Namens des Propheten Mohammed" die Todesstrafe gesetzlich vorgeschrieben. Eine Christin und Mutter von fünf Kindern namens Aasia Bibi erwartet zurzeit dieses Schicksal.

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