veröffentlicht am: Donnerstag 18 August 2011
Die Staaten der OIC (Organisation für Islamische Zusammenarbeit) fordern religiöse Toleranz in Europa – aber verfolgen Christen
Land: Europa, Iran, Iran, Saudi-Arabien, Malaysia, Türkei
![]() Ekmeleddin Ihsanoglu, Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit CC BY-NC-ND 2.0 von Jean-Marc Ferre |
In einer Presseerklärung vom 25. Juli 2011 äußerte der Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC, früher bekannt als die Organisation der Islamischen Konferenz), Professor Ekmeleddin Ihsanoglu, Unbehagen über die bekannt gewordenen Motive des brutalen Massakers an über 90 jungen Menschen in Norwegen durch Anders Breivik vom 23. Juli. Er war im besonderen darüber besorgt, dass der Straftäter von Hass und Intoleranz gegenüber religiöser Vielfalt und Multikulturalismus erfüllt war. Professor Ihsanoglu legte dar, dass die OIC schon immer vor Intoleranz, Anstiftung zum Hass aus religiösen Gründen und vor der Kampagne gegen kulturelle Vielfalt, an der rechtsgerichteten Politiker in Europa beteiligt sind, gewarnt habe. Die OIC, sagte er, war immer gegen religiöse Intoleranz und Diskriminierung. Das Massaker in Norwegen bestätige die Befürchtungen der OIC, dass Hass und Intoleranz, die die multikulturelle Zusammensetzung der Gesellschaft in Europa bedrohten, zunähmen.[1]
Jedoch sollte trotz der Forderungen des Generalsekretär nach kultureller und religiöser Vielfalt, Toleranz und einer multikulturellen Gesellschaft in Europa, nicht vergessen werden, dass die meisten mehrheitlich islamischen Staaten (sein eigenes Heimatland, die Türkei, mit eingeschlossen, und viele andere Mitgliedsstaaten der OIC) gegenüber diesen Werten feindlich eingestellt sind. In vorwiegend muslimischen Ländern ist es an der Tagesordnung, dass Christen und andere Minderheiten diskriminiert, verfolgt und gewaltsam angegriffen werden. In den Medien gibt es oft Berichte von antichristlichen Übergriffen im Irak, Iran, Pakistan, Ägypten und anderen Ländern.
Tatsächlich glauben manche Beobachter, dass ein Hauptgrund für die Zunahme der gewaltsamen Übergriffe gegen Nicht-Muslime die andauernde Kampagne der OIC gegen das, was sie „Islamophobie“ nennt einerseits und andererseits für strenge Blasphemiegesetze ist. Die OIC hat sich für eine neue Definition von Religionsfreiheit eingesetzt, weg vom Recht des Einzelnen, seinen Glauben frei zu praktizieren, hin zu einem erzwungenen Respekt für eine Religion an sich, besonders für den Islam und alles Islamische. Die OIC und ihre Mitgliedsstaaten waren verantwortlich für die Aufnahme der „Diffamierung von Religionen“ (womit sie, wie es scheint, hauptsächlich Kritik am Islam und Blasphemie des Islams verstehen) in die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen. Sie sind auch in vorderster Front an der Kampagne zur Einführung von Restriktionen für die „Beleidigung des Islams“ und für Blasphemie in anderen Teilen der Welt beteiligt.
Die OIC glaubt, dass Regierungen sich mehr für religiöse Rechtgläubigkeit einsetzen und weniger die Freiheit des Einzelnen verteidigen sollten. Viele OIC Staaten haben gesetzliche Vorschriften über das, was über den Islam gesagt werden darf. Diese beschränken die freie Meinungsäußerung erheblich und sind die Hauptinstrumente, um Gesellschaft und Politik in ihren Staaten unter Kontrolle zu halten. Sie zwingen die Menschen in religiöse Konformität und bringen Kritik an der vorherrschenden Religion, dem Islam, gewaltsam zum Schweigen.
Religionsfreiheit, sowohl die des Einzelnen als auch die von Gemeinschaften, ist in den meisten mehrheitlich muslimischen Ländern eingeschränkt.Die privilegierte Stellung des Islams (in solchen Ländern) ist oft in der Verfassung festgeschrieben und die Bevölkerung ist gegenüber Christen nicht selten feindlich eingestellt. In den meisten muslimischen Staaten wird christliche Missionsarbeit unter Muslimen eingeschränkt oder völlig verboten. Konvertiten aus dem Islam sehen sich oft mit Verfolgung und manches Mal sogar mit dem Tode konfrontiert.
In vielen OIC Staaten verfolgt der Staat selbst Christen, nicht nur durch Gesetze, die die Aktivitäten von Gemeinden und Kirchen einschränken, sondern auch durch willkürliche Festnahmen, Folter und Haftstrafen. Im Sudan betreibt die islamische Regierung des Nordens seit Jahrzehnten eine unbarmherzige Politik der Islamisierung und Arabisierung des nicht-muslimischen Südens. Dies führte dazu, dass an die zwei Millionen Südsudanesen umkamen, darunter viele Christen. Mehrere Millionen wurden innerhalb des Landes vertrieben.
Im Iran hat die Regierung die Aktivitäten von Christen stark beschränkt, indem sie mehrere Kirchen und die iranische Bibelgesellschaft verboten hat. Den (übrigen) Gemeinden ist es untersagt, Gottesdienste in der Landessprache Farsi abzuhalten. Mehrere christliche Leiter wurden entführt und getötet, wie es scheint, vom Geheimdienst, und ein Konvertit aus dem Islam wurde 1990 hingerichtet. Ein anderer sitzt im Todestrakt. Der Iran ist nicht das einzige Land, in dem Menschen, die vom Islam abfallen, mit dem Tode bestraft werden können. In Saudi Arabien, Qatar und im Sudan ist dies ebenfalls rechtlich zulässig.
In Saudi Arabien, dem Staat, der die OIC finanziell am meisten unterstützt, und wo sich auch der Sitz der OIC befindet, ist es in der Öffentlichkeit verboten, eine andere Religion als den Islam zu praktizieren oder anzudeuten. Ebenso ist das Drucken und Verbreiten von nicht-islamischer religiöser Literatur verboten. Im ganzen Land gibt es kein einziges Kirchengebäude. Es ist allgemein bekannt, dass es in Saudi Arabien keine Religionsfreiheit gibt.
In der Türkei leiden Christen immer noch unter Schikanen, Diskriminierung und weit verbreitetem Vorurteil. Die Medien präsentieren die Christen und das Christentum als Feinde des türkischen Staates und des Islams und in den letzten Jahren wurden mehrere Christen ermordet.
Malaysia wird oft als vorbildlich in Bezug auf religiöse Toleranz dargestellt. Jedoch haben Muslime in letzter Zeit ihre Anstrengungen verstärkt, um die Religionsfreiheit von Christen einzuschränken. Am 3. August 2011 führte die islamische Religionsbehörde in Selangor (JAIS) ohne richterliche Anweisung eine Razzia bei der Damansara Utama Methodistenkirche (DUMC) im Dream Centre in Petaling Jaya, im Bundesland Selangor durch. Sie schikanierten die Anwesenden, nahmen die Personalien der muslimischen Besucher der Veranstaltung auf, fotografierten und machten Videoaufnahmen. Die Razzia war durch eine Beschwerde ausgelöst worden, Muslime hätten an einer Benefizveranstaltung zum Bau einer Kirche teilgenommen, was den Verdacht weckte, die Christen würden versuchen, Muslime zu bekehren. Der Staatsrat für religiöse Angelegenheiten in Selangor, Datuk Hasan Ali behauptete, dass die Worte „beten“ und „Koran“ in Gegenwart der zwölf Muslime, die die Benefizveranstaltung besucht hätten, gebraucht worden wären; dies wurde als Beweis dafür verwendet, dass die Christen versuchten, sie zu bekehren.
Während die Razzia unter den Christen in Malaysia Besorgnis auslöste, haben sich muslimische Lobbyisten hinter JAIS gestellt. Über 40 Nichtregierungsorganisationen haben einen Brief an den Sultan von Selangor geschickt, um ihre volle Unterstützung für die Razzia auszudrücken. In dem Brief wird argumentiert, dass diese kirchliche Veranstaltung gegen den Erlass über nicht-islamische Religionen (Regulierung der Propaganda unter Moslems) von 1988 verstoßen habe. Außerdem hat die Jugendorganisation von Perkasa beim Gericht eine Untersuchung beantragt, in der durch die Polizei geklärt werden soll, ob die Kirche bei der besagten Veranstaltung versuchte, Muslime (zum Christentum) zu bekehren. „So etwas verstößt gegen unsere Verfassung. Man kann nicht einfach andere Bevölkerungsgruppen einladen und sie bekehren wollen. Das ist ein Verstoß gegen das Gesetz“, sagte der Leiter der Perkasa Jugendorganisation, Irwan Fahmi Idris gegenüber Journalisten.[2]
( Es sollte auch erwähnt werden, dass einige moderate Muslime in Malaysia sich der weit verbreiteten Unterstützung für JAIS nicht angeschlossen haben und statt dessen weiterhin eine tolerante und pluralistische Gesellschaft fordern, in der Religionsfreiheit respektiert wird.)
Bemühungen, andere zu bekehren, werden eigentlich in der Verfassung des Bundesstaates Malaysia nicht untersagt, aber mehrere Bundesländer haben Gesetze, die es Moslems nicht gestatten, sich zu anderen Religionen zu bekehren; in zwei Bundesländern wird der Abfall vom Islam mit der Todesstrafe belegt. Diese Gesetze wurden nie angewandt, da sie durch die Bundesregierung eingeschränkt werden. Trotzdem begünstigt die Regierung den Islam und beschneidet die Aktivitäten von Nicht-Muslimen. Es ist in Malaysia verboten, gegen den Islam zu sprechen, zu schreiben oder zu predigen. Es ist auch schier unmöglich für nicht muslimische religiöse Gruppen, Land zum Bau von Gotteshäusern, Schulen oder Friedhöfen zu erwerben. Die Veröffentlichung und Verbreitung von christlicher Literatur unterliegt gesetzlichen Kontrollen. Malayen (die per Gesetz als Moslems definiert werden) wird in den Gesetzen als ursprüngliche einheimische Bevölkerung des Landes (bumiputera) ein höherer Status zugesprochen, und das beinhaltet viele politische und wirtschaftliche Vorteile gegenüber Nicht-Malayen. In den Jahrzehnten seit der Unabhängigkeit sind diese Vorteile immer fester in den Gesetzen und Aktionsprogrammen etabliert worden.
Zusammenfassung
Während Regierungen im Westen Muslimen volle Gleichheit und Religionsfreiheit gewähren, erfahren Christen in mehrheitlich islamischen Staaten zunehmend Feindseligkeiten und Intoleranz. Dies drückt sich in zunehmenden Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit und oft sogar in gewaltsamen Übergriffen aus. Die Forderung der OIC nach mehr Gleichheit und Toleranz im Westen würde mehr ins Gewicht fallen, wenn ihre Mitgliedsstaaten diese Werte auch bei sich zu Hause propagieren würden.
[1] "OIC Secretary General Reiterates Call For Implementation Of UN Human Rights Council Resolution 16/18 In Light Of Norway Massacre", Organisation of Islamic Cooperation, 25 July 2011 (angesehen am 10. August 2011).
[2] Melissa Chi, "Perkasa Youth wants proselytisation claim probed", The Malaysian Insider, 8 August 2011.

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